Unbezweifelbar stecken hinter der gestrigen Entscheidung der Bundeskanzlerin wohl handfeste machterhaltungstaktische Motive. Aber die Frage drängt sich dann doch auf, ob denn nicht die zunehmend stärker und kritischer hinterfragte Energiewende nicht zumindest mit ausschlaggebend dafür war, dass der “Mister Atomausstieg” der CDU auch noch seinen letztverbliebenen Posten hat räumen müssen. Oder bedingt das eine gar das andere und vice-versa?
Röttgen selbst war als Fachminister eher unspektakulär. Viel zu wenig gebildet, um einen visionären Gedanken zu entwickeln – eher der typische Parteisoldat, der die Parteilinie (hier die Energiewende) auch auf Kosten eigener fachlicher Reputation vertrat, der sich nicht zu schade war, in die Fußstapfen seines Amtsvorgängers zu treten und die Kenntnis der post-grundschulischen Physik in so mancher Talkrunde vermissen zu lassen. Dass dieser stromlinienförmige Gefolgsmann der Kanzlerin so unsanft von ihr geschasst wurde, lässt zumindest aufhorchen
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Vielleicht war die Kanzlerin von Anfang an viel weitsichtiger, als es die meisten von uns gesehen haben, vielleicht hat sie jetzt genauso kühn und wohlüberlegt gehandelt, wie seinerzeit unmittelbar nach dem Störfall des Fukushima Daiichi? Vielleicht bereitet sie schlicht den Boden vor für eine überfällige, wünschenswerte aber nur sehr behutsam umsetzbare Korrektur der Energiewende?

